Orthobiologika werden in der Orthopädie eingesetzt, um die Heilung von Knochen, Knorpel, Sehnen, Bändern und Muskeln biologisch zu unterstützen. Der Begriff umfasst verschiedene Verfahren und Präparate, die körpereigene oder biologisch aktive Substanzen nutzen.
Typische Anwendungsgebiete sind:
Gelenkverschleiß (Arthrose)
- Vor allem bei leichter bis mittelschwerer Arthrose.
- Ziel: Schmerzen reduzieren und die Gelenkfunktion verbessern.
- Verwendet werden z. B.:
- PRP (Plättchenreiches Plasma)
- Hyaluronsäure (wird nicht immer zu den Orthobiologika gezählt)
- Zellbasierte Therapien (z. B. aus Fettgewebe oder Knochenmark gewonnene Zellen)
Sehnenverletzungen und Sehnenerkrankungen
- Achillessehnenbeschwerden
- Tennisellenbogen
- Patellasehnen-Tendinopathie („Springerknie“)
- Rotatorenmanschetten-Erkrankungen an der Schulter
- Häufig kommt PRP zum Einsatz.
Bandverletzungen
- Teilrupturen von Bändern, z. B. am Knie oder Sprunggelenk.
- Ziel ist die Förderung der biologischen Heilung.
Muskelverletzungen
- Vor allem im Leistungssport.
- Orthobiologische Verfahren werden teilweise eingesetzt, um die Regeneration zu unterstützen.
Knorpelschäden
- Umschriebene Knorpeldefekte bei jüngeren Patienten.
- Kombination mit Verfahren wie:
- Mikrofrakturierung
- autologer Chondrozytentransplantation
- biologischen Membranen und Wachstumsfaktoren
Knochenheilungsstörungen
- Verzögerte Frakturheilung
- Pseudarthrosen (nicht verheilte Knochenbrüche)
- Verwendung von:
- Knochenmarkaspirat
- Wachstumsfaktoren
- Knochenersatzmaterialien
Begleitend bei Operationen
- Unterstützung der Heilung nach:
- Kreuzbandrekonstruktionen
- Sehnenrekonstruktionen
- Knorpeloperationen
- bestimmten Wirbelsäulenoperationen
Welche Orthobiologika werden am häufigsten verwendet?
Zu den wichtigsten zählen:
- Platelet-Rich Plasma (PRP)
- Knochenmarkaspirat-Konzentrat (BMAC)
- Stammzellhaltige Präparate aus Knochenmark oder Fettgewebe
- Wachstumsfaktoren
- Knochenersatzmaterialien biologischen Ursprungs
Wie gut ist die Evidenz?
Die wissenschaftliche Evidenz ist je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich:
- Für PRP bei bestimmten Sehnenerkrankungen und bei Kniearthrose gibt es die besten Daten.
- Für viele Stammzelltherapien ist die Studienlage noch begrenzt.
- Nicht alle orthobiologischen Verfahren werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
In der modernen Orthopädie werden Orthobiologika meist dann erwogen, wenn konservative Maßnahmen (Physiotherapie, Belastungsanpassung, Medikamente) nicht ausreichend helfen und eine Operation vermieden oder deren Erfolg unterstützt werden soll. Sie ersetzen jedoch nicht die Behandlung struktureller Schäden, die eine operative Versorgung erfordern.